Streaming PC: Setups von günstig bis High-End (Stand 2019)

Streaming PC: Setups von günstig bis High-End (Stand 2019)

Wer sich einen neuen Streaming-PC kaufen möchte, steht vor der Qual der Wahl. Ich streame selbst seit Jahren in 1080p und 60fps und habe dafür unterschiedlichste Hardware genutzt und getestet. Welche Systeme ich als Informatiker und Streamer empfehlen kann und worauf es bei der Auswahl der richtigen Hardware ankommt, erläutere ich im Folgenden.

Das Wichtigste in Kürze

Bevor wir uns tiefer mit der Thematik beschäftigen und ich erläutere, weshalb ich bestimmte Komponenten empfehle, möchte ich für alle Ungeduldigen zwei Systeme vorstellen, die sich beide sehr gut zum Streamen eignen. Wenn ihr aktuelle Spiele auf mittleren Grafikeinstellungen spielt, solltet ihr im Regelfall mit dem günstigeren Budget-System* auskommen. Für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen, aber dennoch ein System mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis suchen, empfehle ich das High-End-System*. Da Komplettsysteme von nicht renommierten Händlern teilweise qualitativ minderwertige Komponenten verwenden, empfehle ich ausschließlich Systeme von Händlern und Herstellern, mit denen ich bereits selbst Erfahrungen gemacht habe und sowohl die Verarbeitung als auch die Auswahl der Komponenten als sehr gut empfand.

Günstiger Streaming PC

Budget Streaming PC
Budget Streaming PC

Wer einen leistungsstarken aber dennoch günstigen PC sucht, wird meist zu AMD-Komponenten greifen. Dieser Budget-Gaming-Rechner* zusammengestellt von PC Games Hardware hat einen Ryzen 5 2600 mit 6 Kernen verbaut. Die CPU ist stark und liefert vor allem beim Video-Encoding solide Leistung. Auch bei der GPU wird für viel Leistung bei geringem Preis auf AMD gesetzt. Die AMD Radeon RX 580 kommt bei der Performance in Spielen ungefähr auf das Level einer NVIDIA GeForce GTX 1060. Im folgenden Video wird die Leistung dieser beiden Grafikkarten verglichen und veranschaulicht.

High-End Streaming PC

High-End Streaming PC
High-End Streaming PC

Dank des starken i7-9700K Prozessors und der NVIDIA GeForce RTX 2080 Ti seid ihr mit diesem High-End-System* bestens gerüstet. Zwar gibt es fürs Streaming mit den i9-Prozessoren noch stärkere Modelle, doch wenn wir davon ausgehen, dass ihr zum Streamen den neuen NVENC Encoder verwendet, ist bereits der i7-9700K meist unterfordert. Es gibt natürlich auch noch viel stärkere Systeme. Allerdings ist mein Anspruch an einen High-End Streaming PC nicht, dass ich möglichst viel Geld ausgebe, sondern dass ich alle aktuellen Spiele auf hohen Grafikeinstellungen spielen und parallel streamen kann.

Was sind die wichtigsten Anforderungen (Hardware Specs)?

Das Videoencoding eures Streams geht primär auf die CPU. Zumindest wenn ihr als Encoder X264 verwendet. Gleichzeitig ist für flüssiges Gameplay sowohl ein schneller Prozessor, als auch eine starke Grafikkarte notwendig. Da für das Videoencoding selbst keine besonders leistungsstarke Grafikkarte notwendig ist, sollte man bei einem Streaming-PC den primären Fokus auf die CPU legen. Videoencoding eignet sich aufgrund der einfacheren Aufteilung der Arbeitslast besser für Multithreading als die Berechnung von Spielen. Ein Prozessor mit möglichst vielen Kernen sorgt daher vor allem beim Streaming und bei der Aufnahme von Videos für bessere Leistung.

Während dies allgemein anwendbar ist, bietet Nvidia seit OBS Version 23 eine aktualisierte Implementierung ihres Encoders NVENC. Damit wird vor allem mit RTX-Grafikkarten das Streaming über die Grafikkarte zur großartigen Alternative zum klassischen X264-Encoder. NVENC setzt dabei auf einen dedizierten Video-Encoding-Chip, der bei Nutzung die In-Game-Performance nicht beeinflusst. Damit könnt ihr euren Prozessor entlasten, um die FPS im Spiel zu maximieren.

Wer keine Kompromisse eingehen und maximale Flexibilität genießen möchte, sollte daher auf eine möglichst starke CPU und eine RTX-Grafikkarte setzen.

Selbst zusammenstellen und bauen oder Komplettsystem kaufen?

Eine immer wieder diskutierte Frage ist, ob man sich einen PC selbst zusammenstellen und bauen oder einfach ein Komplett-System kaufen sollte. Im Endeffekt könnt ihr mit beiden Lösungen glücklich werden oder aber totales Pech haben. Ein Argument für den Eigenbau ist, dass man weiß, welche Komponenten verbaut wurden. Und das ist ein sehr valides Argument. Allerdings benötigt man dann auch die Expertise, um entscheiden zu können, welche Hardware hochwertig ist und welche nicht. Und da scheiden sich die Geister, da jeder unterschiedliche Erfahrungen mit Herstellern und deren Produkten macht.

Daher würde ich sowohl beim Zusammenstellen, als auch beim Kauf eines Komplettsystems darauf achten, dass es sich bei den verbauten Hardwarekomponenten um Markenware handelt. Achtet entsprechend bei Komplett-PCs darauf, dass alle Komponenten möglichst genau benannt werden. Wenn die Komponenten eurer Präferenz entsprechen, unterscheidet sich ein Eigenbau von einem Komplett-System noch durch Qualität des Zusammenbaus und die Garantie.

Wie hochwertig euer Eigenbau ist, entscheidet euer Fachwissen und euer handwerkliches Geschick. Gerade erfahrenere Bastler wollen sich diesen Spaß meist nicht nehmen lassen und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Wenn ihr die Komponenten einzeln gekauft habt, müsst ihr allerdings auch im Problemfall selbst die Diagnose durchführen und die defekten Komponenten einschicken. Wenn ihr einen Komplett-PC bei einem renommierten Händler oder Hersteller bestellt, fällt der Service umfangreicher aus und ihr habt es bei Problemen leichter.

Letztendlich muss es jeder selbst entscheiden, denn beide Wege stellen solide Alternativen dar und haben ihre Daseinsberechtigung. Wer lieber bastelt und sich davon ein besseres Ergebnis verspricht, der sollte sich seine Komponenten selbst zusammenstellen. Wer keine Lust auf Basteln hat und einfach nur spielen und streamen möchte, macht mit einem guten Komplett-PC eines renommierten Herstellers oder Händlers nichts falsch.

Besonderheiten beim Streaming von Konsolen (z.B. PS4, Xbox One, Nintendo Switch)

PS4 Streaming

Wer primär nur von der eigenen Konsole wie der PS4, Xbox One oder Switch streamen möchten, braucht entsprechend kein sonderlich leistungsstarkes System. Vor allem bei der Grafikkarte könnt ihr auf sehr preisgünstige Modelle wie die Nvidia GeForce GT1030* zurückgreifen. Da beim Capturing von Konsolenspielen die Grafikkarte nicht zur Berechnung von Spielinhalten genutzt wird, sondern lediglich zur Komposition der Szenen und zur Vorschau in OBS, ist dies vollkommen ausreichend. Eine starke CPU wie ein i7-8700K oder ein Ryzen 7 2700X benötigt ihr dennoch, wenn ihr in 1080p und 60fps streamen wollt. Falls ihr doch mal in Versuchung kommt, ein PC-Spiel auf dem Rechner zu spielen, ist zusätzlich lediglich eine entsprechend leistungsstarke Grafikkarte notwendig. Wer sich diese Option offen halten möchte, setzt am besten direkt auf einen günstigen Streaming PC, der eine etwas stärkere Grafikkarte beinhaltet. Um das Bild von der Konsole auf den Rechner zu übertragen benötigt ihr dann nur noch eine Capture Card.

Dual-PC-Setup: Streaming mit 2 PCs mit und ohne Capture Card

Eine alternative Möglichkeit bietet das Dual-PC-Setup. Dabei wird ein Computer ausschließlich zum Spielen und der zweite ausschließlich zum Streamen benutzt. Dies ist vor allem unter professionellen Streamern eine sehr populäre Lösung. Grund hierfür ist, dass die Last des Streamings komplett separiert wird und dies somit keine Einbußen bei der Performance des Spiels mit sich bringt. Aufgrund der Voraussetzung von zwei PC-Systemen ist dies aber auch gleichzeitig die teuerste Variante.

Beim Aufbau habt ihr die Möglichkeit, entweder eine Capture Card zu verwenden oder das Signal mittels OBS vom Gaming-Rechner an den Streaming-Rechner zu schicken, bevor es dort final an Twitch oder YouTube gesendet wird. Nun kann man sich berechtigterweise Weise fragen, weshalb man dann nicht direkt an die jeweilige Plattform streamt. Grund hierfür ist, dass beim Streaming im lokalen Netzwerk die Bandbreite in der Regel größer ist als die eures Internetanschlusses. Dies wiederum erlaubt die Verwendung von weniger effizienten Video Encoders, die mehr Bandbreite brauchen. In der Regel handelt es sich hierbei um NVENC, den hauseigenen Encoder von Nvidia. Während dieser zwar mit RTX-Grafikkarten so effizient geworden ist, dass dieser auch bei geringer Bitrate zu guten Ergebnissen führt, sind ältere Grafikkarten nur bei Bitraten von mindestens 25.000Kbps (am besten sogar 50.000Kbps) in der Lage, ein qualitativ hochwertiges Bild zu erzeugen. Twitch setzt beim Empfangen von Streams allerdings ein Soft-Limit von 6.000Kbps, sodass dies für einen direkten Stream nicht praktikabel wäre.

Da der NVENC-Encoder einen dedizierten Chip auf eurer Grafikkarte nutzt, der ausschließlich für Videoencoding genutzt wird, bleibt die Spieleperformance hiervon quasi unverändert. Daher macht es durchaus Sinn, lokal mit hoher Bitrate NVENC zu nutzen um anschließend auf dem Streaming-PC mit X264 den Stream möglichst effizient auf eine geringe Bitrate zu kodieren, die dann von eurer präferierten Plattform empfangen werden kann. Wie ihr ein Zwei-PC-Streaming-Setup betreiben könnt, wird in einem kommenden Artikel erläutert.

In einem weiteren Artikel erfahrt ihr, welches Streaming-Zubehör ihr benötigt und welche Empfehlungen ich für Webcams, Mikrofone, Beleuchtung, Greenscreens und Headsets habe. Solltet ihr weitere Fragen zur Hardware eines Streaming PCs haben, schreibt sie gern in die Kommentare.


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